+ Antworten
Ergebnis 1 bis 4 von 4

Thema: Enchondrom

  1. Alter Hase Avatar von ~snow06~
    Registriert seit
    03.07.2008
    Beiträge
    7.581

    Enchondrom

    Also ich habe eins am Zeh und würde es gerne wegoperieren lassen, weil es manchmal weh tut. Aber ich hatte diesen Sommer/ Herbst eine ganze Odyssee mit dem Ding, wurde von der Hautärztin zur Charité geschickt, dort haben sich drei oder vier verschiedene Ärzte das Ding angeschaut, dann wurde ein Termin für eine OP gemacht und schließlich wieder abgeblasen mit der Begründung, dass sie nur "große Sachen" operieren (an der Hüfte etc.), aber kein 1,6 cm großes Enchondrom am Zeh. Also bekam ich eine Überweisung zu einem Orthopäden, es wurde ein MRT gemacht und ein CT (zwischendurch bestand der Verdacht, dass es Knochenkrebs sein könnte, was es zum Glück nicht ist.) Schlussendlich hat der Orthopäde entschieden, dass er nicht operieren möchte, weil er sich dem Ganzen nicht gewachsen fühlt und er hat mir wieder eine Überweisung für die Charité gegeben mit der Aufschrift "erbitte Mitarbeit". Also ich bin die ganze Sache gründlich Leid, möchte das Ding aber loswerden.
    Hatte hier schon mal jemand ein Enchondrom und wenn ja, wurde es ambulant oder im Krankenhaus entfernt?
    כל המקומות שבהם היית
    עולמות שראית וגילית
    כל השאלות שבדרך שאלת
    לפעמים לא העזת לגלות

    אורות מהבהבים
    בשתי שניות
    חולפים חיי אל מול עיני
    קולות מזמן אחר
    הלב אומר להתעורר מהר

    אורות - אברהם טל

  2. Urgestein
    Registriert seit
    22.02.2012
    Beiträge
    9.311

    AW: Enchondrom

    Für die Operation eines Enchondroms ist die Charité (Dr. Flörcken und Mitarbeiter) grundsätzlich der sehr richtige Ansprechpartner, als ähnlich hochklassige Alternativen würden mir als erstes die Uni Münster (Dr. Andreou und Team) und Uni Heidelberg einfallen. Solche Tumoren sind meinens Wissens - ganz allgemein gesagt - schwierig zu diagnostizieren und oft äußerst schwierig zu operieren. Es gibt Stellen, wo es wirklich richtig richtig schwierig ist und das Ergebnis der Operation den Patienten am Ende sehr oft nicht zufriedenstellt.

    Gerade am Fuß mit seinen vielen komplex zusammenarbeitenden Nerven, Muskeln und Gelenken sind Operationen jeder Art (nicht nur von Knochentumoren) ganz grundsätzlich oft schwierig und haben am Ende Folgen, die sich der Patient gar nicht vorgestellt hat, und blöde Komplikationen, die sich auch bei perfekter OP-Durchführung nicht hundertprozentig verhindern lassen. Oft rät man darum Patienten von Operationen am Fuß ab, wenn es keine sehr starken Gründe dafür gibt, zu operieren.

    Das Ergebnis der Operation von Knochentumoren ist nicht selten die Anstrengungen eines (üblicherweise am Ende erfolglosen) Kunstfehler-Verfahrens durch den Patienten, der vor der Operation natürlich (nur) erhofft, dass hinterher seine Beschwerden besser sind, und die Möglichkeit, dass es ihm danach auch bei fachlich korrekter Operationsdurchführung schlechter gehen könnte, eher in den Hintergrund stellt.

    Es ist nicht unüblich, dass die (potentielle) Operation eines Knochentumors vorher eingehend (teils mehrfach) unter verschiedenen Leuten besprochen wird - unter Umständen sogar unter Hinzuziehung weiterer Experten von anderen Uni-Kliniken. Es ist auch durchaus nicht unüblich, dass man im Ergebnis dieser eingehenden Besprechung dem Patienten mitteilt, doch nicht operieren zu wollen, auch wenn dem Patienten beim ersten Kontakt zunächst eher ein operatives Vorgehen in Aussicht gestellt worden ist. Leider sind solche telefonischen Absagen von Struktur und Situation her was ganz anderes als ein persönliches Gespräch im Untersuchungszimmer, wo man zumindest eine oberflächliche persönliche Beziehung aufbaut. Auf diese Weise werden bei solchen telefonischen Absagen oft eher Floskeln verwendet und nicht die zur Entscheidung führenden Gründe und Abwägungen eingehend oder einfühlsam erläutert, wie es am besten wäre, so dass der Patient manchmal einfach nur den Eindruck hat, dass man nicht operieren wolle, weil er zu unwichtig sei oder was auch immer. Im Hintergrund steht im allgemeinen - gerade bei so etwas wie bei Knochentumoren - aber eine sehr ausführliche Abwägung unter ausgewiesenen Experten.

    Ohne ernsthaft konkret zum Einzelfall Stellung nehmen zu wollen oder zu können, bitte ich folgende Meinungsäußerung zu erlauben: Wenn die Charité es nach eingehender Beratung letztendlich ablehnt, ein Enchondrom am Fuß zu operieren, dann würde ich persönlich das als sehr starken Hinweis darauf nehmen, dass es gut sein kann, dass ich mit dem (lästigen) Enchondrom vielleicht doch zur Zeit (noch?) besser bedient bin als mit einem operierten Fuß ohne Enchondrom, aber mit anderen Komplikationen.

    Ein weiterer Gedanke, den man im Hinterkopf haben sollte, ist, dass sich gerade im Bereich Knochen- und Gelenk-Chirurgie doch immer noch und immer wieder erhebliche Fortschritte in Operations- und sonstigen Versorgungs-Techniken ergeben und es vielleicht auch deshalb sinnvoll sein könnte, zunächst weiter abzuwarten, selbst wenn das Enchondrom weiter wächst.

    Inwieweit neues Bildmaterial (MRT, CT) zu neuen Empfehlungen führen könnte, vermag ich nicht abzuschätzen.
    Geändert von bwlstudent (30.12.2018 um 05:51 Uhr)

  3. Alter Hase Avatar von ~snow06~
    Registriert seit
    03.07.2008
    Beiträge
    7.581

    AW: Enchondrom

    bwl student, du bist Arzt, oder? Vielen Dank, dass du dir Zeit für die fachliche Einschätzung genommen hast!
    Geändert von ~snow06~ (02.01.2019 um 17:02 Uhr)
    כל המקומות שבהם היית
    עולמות שראית וגילית
    כל השאלות שבדרך שאלת
    לפעמים לא העזת לגלות

    אורות מהבהבים
    בשתי שניות
    חולפים חיי אל מול עיני
    קולות מזמן אחר
    הלב אומר להתעורר מהר

    אורות - אברהם טל

  4. Urgestein
    Registriert seit
    22.02.2012
    Beiträge
    9.311

    AW: Enchondrom

    Ja, aber ich bin kein Knochenspezialist oder so. Ich interessiere mich nur dafür und hatte mit dem Thema immer wieder starke Berührung. Ich kann dir natürlich echt nix zu deinem Einzelfall sagen, aber so zum besseren Verstehen der gesamten Stimmung dahinter ist meine Erläuterung vielleicht ganz gut. Laß dich von den Leuten beraten, die dich da betreuen. Aber wenn dir jemand abrät, nimm das auf jeden Fall als solches wahr und verdräng es nicht und sei nicht beleidigt. Du solltest dich erst zu einer Operation entscheiden, wenn du das Gefühl hast, die Folgen auch dann akzeptieren zu können, wenn sie nicht optimal sind.

    Falls du dich zu einer Operation entscheidest, egal ob jetzt oder später, dann würde ich an deiner Stelle auf jeden Fall auch die Klinik sehr sorgfältig aussuchen.

    Gern geschehen.

Berechtigungen

  • Neue Themen erstellen: Nein
  • Themen beantworten: Nein
  • Anhänge hochladen: Nein
  • Beiträge bearbeiten: Nein
  •